Dunkelheit quirlt quellend über

Dunkelheit quirlt quellend über,
Laub und Blätterkronen drüber,
rinnt in schwarzen Bächen träge,
an krummen Stämmen schwarz hinab.
und tröpfelt zäh ins dürre Gras.

Mondlicht bricht sich zwischen Gestrüpp,
fällt im fahlen Funkeln dunkel,
nach unten wo’s versickert und
kein Stück davon zurückbleibt.

Das Licht einer Laterne sticht,
durch Nebelschwaden schwach hervor,
Am Stocke sie ein Jüngling trägt,
der ängstlich auf dem Wege geht.
Auf den es ihn verschlagen hat.

Seit einer Stunde läuft er schon,
ganz ohne Karte querfeldein,
richtet sich nur hin und wieder,
nach dem Mond der oben scheint.
Und ihm den Pfad beleuchtet.

Er fürchtet sich vor dem Finstern,
doch noch mehr vor des Meisters Zorn,
und flieht so schnell sein Schritt ihn trägt,
fort von dessen arger Rückhand,
und von den Schlägen die es setzt,
wenn er von dem Bursch genug hat.

Drum ging er fort und in den Wald,
den Hof ließ er zurück und bald,
verglommen alle Lichter ganz,
und es ward gänzlich still um ihn.

Nur ab und an vernimmt er nun,
zwischen seinen Atemzügen,
deutlich gröpflendes Geschnüpffel,
das hinter ihm vorüber klickt.

Doch dreht er seinen Kopfe hinter,
und sieht mit ängstlich Blick umher,
erkennt er nichts, was nicht sein soll.

Der Busch dort steht wie eh und je,
das Gras benetzt von Nebeltau,
die Blätter wehen sanft im Wind,
und auf dem Ast dort sitzt ein Glumpf.

Es ist ein Kleiner, grade mal,
zehn Zentimeter groß ist er.
Er regt sich nicht und strumpft ganz starr,
beglubscht den Jungen ab und an,
glafft hier und da ne Korbelei,
und tut was halt ein Glumpf so tut.

Dem Burschen grauset, er läuft weg,
so schnell ihn seine Beine tragen,
fort von diesem wirren Wesen.

Einmal links und einmal rechts rum,
und schon hat er ihn verloren,
der Junge seufzt erleichtert auf,
da hört ers hinter sich rumoren.

Ein Zwabbel läuft ihm hinterdrein,
auf seinen vierzehn – fünfzehn Bein?
Hat schon den Schmaubel aufgesperrt,
und spuckt bereits mit Glibberschleim.

Von der Seite firbeln Ulben,
tränken die Luft mit Rumgewünz,
Von vorn ein Jörbel trötet laut,
von hinten dröhnt ein Zwirngespinst

Da rennt ein Dröbel, da ein Prost
und hinter diesem Ast da schwingt,
der Glumpbumf frantig auf und ab.
Der Junge duckt sich drunter weg,
rutscht aus und landet voll ihm Dreck,
einem Trugluz vor die Füße.

Oh Gott im Himmel lass ihn jetzt,
nicht dröpeln oder drahlen gar,
doch er hat Glück der Trugluz flieht,
wurd er doch von nem Brold verschreckt,
der hinter einem Felsen steckt,
und seine Glöffel aufwärts reckt.

Die Hände auf die Ohrn gepresst,
lässt er es über sich ergehn.
Doch mit einem Male da,
wird es plötzlich still um ihn.

Er mags nicht glauben doch zuletzt,
hat er es dann doch geschafft,
die Scheusale sind alle fort,
und er allein sitzt stumm im Gras.

Nur…,
Der Junge merkt nicht der Gefahr,
die sich da mit Dunkel deckt,
und ihn vom Schatten her besieht,
zwischen Strauch und Busch versteckt.

Es ist das Größte dieser Wesen,
von seiner Art gibt’s eines nur.
Wärn zwei da würden sie sofort,
an Ort und Stell zu Staub zerfalln.

Es ist ein Ding so unfassbar,
in seinem Wesen so brachial,
dass selbst das Mondlicht davor scheut,
es sich genauer anzusehn.

Des Burschen Leben ist vertan,
doch weiß er selbst noch nichts davon.
Seelig lächelt er dahin,
hört nicht das Unheil näher komm.

Aber entkommen dem monströsen,
dem mänglich muchlich Finstertier,
voller Braschen, Brausen, Tösen,
würd er sowieso nicht schaffen.

Sein Kopf dreht sich bedächtig hinter,
während der Körper achtlos gibt,
und er sieht zum ersten Male,
welches auch das letzte ist.

Draubend, drahlend voller Drängel,
drückt es sich durchs Unterholz,
steht nun vor dem müden Bengel
besieht sich seine Beute stolz.

Dann….
traufelt, tröttet, triehert, trallet
es dem Jungen ins Gesicht,
es klöftet kräftig aus den Lüstern,
müfte Dünste wabern seicht,
verdichten sich zu grauer Suppe,
dazwischen tanzen tausend Dorben,
rauzeln sich an Haut und Haar,
vereinen sich und fließen fort.
Sind mal hier und dort und da.

Mit einem Glöf hebt es den Körper,
hebt ihn sich zum Flumsch heran
vertasselt zügig jede Faser,
und lässt ihn achtlos fallen dann.

Es wickt dann noch ein Willenwahe,
gewichtet seinen Körper höher,
erhebt sich mit zwei Flügelschlägen
dann ist es fort mit einem Male.

Es lässt den Knaben zurück im Finstern,
im achso schrecklich dunklen Wald,
schmählich luggt er tot hervor,
Er rührt sich nicht. Sein Körper kalt.

Doch dann, ein leises Zittern,
gefolgt von einem Zuchtelzaben,
sein Körper streckt sich aus der Starre,
glöffelt laut und gruchtelt grabend,
verankt sich müßig und frankt fahrend,
reift rüblich strebend in die Höh,
steht nun stündlich streglich da
und mirkt maladig voller Müh.

Und an diesem Tage hat,
der Wald ein Wesen mehr gekriegt.

Der Meister sucht den Hofe ab,
doch den Jungen findt er nicht.
Nur ab und an, am Waldesrand,
erkennt er schwach, Laternenlicht.

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