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Ein Tribut an die Fantasie

Man habe bisher noch keine Spur des Jungen gefunden. Sämtliche Agenten tappen im Dunkeln. Dirk Daddeldum scheint wie vom Erdboden verschluckt.
Der böse Doktor Dorl Deppelda sitzt in seinem türkischen Ohrensessel und lauscht den Klängen indischen Kesselfleischkochens. Dabei streichelt er mit einer Hand seinen infernalen Teufelsleguan Totatoetachl, eines der gefährlichsten und widerwärtigsten Tiere der Welt.
Der Doc späht dabei auf die zahlreichen Computerbildschirme vor ihm, die ihm Aussicht auf diverse Kleinstladengeschäfte in den Innenstädten von Kasachstan gewähren.
Hinter ihm rödeln und trödeln seine Handlanger. Burlige Burschen mit viel Mumm, wenig Hirn und einem ordentlichen Selbstbewusstsein. Sie bereiten die Höhle des Unheils für den letzten Akt des vorletzten Szenarios der dritten Staffel seines geheimen Plans vor, mit der er die Weltherrschaft, die Antarktis und eine kleine, unbekannte Insel mitten in der Karibik an sich reißen wird. Der Einzige, der ihn jetzt noch aufhalten könnte, wäre der Jungen, doch dieser ist seit einiger Zeit verschwunden und niemand weiß, wo er sich aufhält.

Derweil, an einem ganz anderen Ort, zu einer ganz anderen Zeit und in einem ganz anderen Abschnitt des Multiversums, hat der räudige Agent Rudi Ade ein gewaltiges Problem. Mit einem Bein steht er auf einer wackligen Holzbrücke, die über einen brodelnden Vulkan gespannt ist und auf deren anderer Seite seine Erzfeindin Gisela Giseline mit ihrem Todeslasso einen Samba tanzt. Das andere Bein balanciert zwischen giftigen Kobras, die von dem verrückten Wissenschaftler Zacharias Zausel mit toxischen Skorpionen und humorlosen Kröten worden waren.
Und Agent Rudi Ade mag keine Schlangen.
Dabei hat er ein noch viel größere Problem. Er ist auf einer wichtigen Mission und muss seinem Schützling Dirk Daddeldum eine bedeutsame Nachricht überbringen, die den Lauf der gesamten Menschheitsgeschichte in ihren Grundfesten erschüttern wird.
Eine Information, so ominös und unvorhersehbar, als wäre sie einem Verrückten entsprungen, der bis zwei Uhr Nachts an einem Groschenroman schreibt, der niemals verlegt werden wird, weil diese Arschlöcher von Verlags-Spasten nicht erkennen können, was echtes Genie ist.
Jene überaus essentielle Nachricht, die den Lauf der Menschheit rapide verändern wird, steckt derzeit in Rudis Hemdtasche, zwischen Flachmann und Ausweis für die Pfälzer Stadtbibliothek, in einem belanglosen Allerweltskuvert mit Poststempel und Siegel aus Neuguinea und Peru.
Und sie lautet:
Doktor Dorl Deppelda ist Dirk Daddeldums Großonkel.

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