Kloster Pillar

Sciente

Wenn man dem Höhlensystem des Sierra-Tunnels nach Norden hin folgt, erreicht man nach einer halben Stunde einen Serpentinenweg. Folgt man diesem, merkt man nach einiger Zeit, wie die Höhlenwände von einem fort wandern, sich weiten und höher werden. Nach ein paar weiteren Metern steigt der Pfad an und führt von da an in einem Vierundzwanzig-Grad-Winkel nach oben.

Weiter vorne klaffen die ersten Lücken im Gestein und geben den Blick nach unten auf einen gigantischen Hohlraum frei, der sich in der Tiefe der Dunkelheit verliert. Zu beider Seiten flacht der Weg ab und fällt ebenfalls nach unten hin weg. So steht man nach kurzer Zeit auf einem steilen Grat, der sich immer weiter in die Dunkelheit hinein windet.
Sollte man sie zu diesem Zeitpunkt nicht schon gezückt haben, wäre hier an dieser Stelle eine Brechmann-Starkstrom-Taschenlampe anzuraten, um etwaige Fehltritte zu vermeiden. Solche wären an dieser Stelle auch zu 98% tödlich. Die tatsächliche Höhe der Schlucht ist zwar bisher noch nicht konkret gemessen worden, doch bei einer der Ersterkundungen hat man an dieser Stelle ein Seil hinabgelassen, das knapp einhundert Meter lang war, aber dennoch den Boden nicht ereichte.

Sobald man die Dreieinhalb-Kilometer-Marke erreicht hat, wird die Taschenlampe essentiel, da ab hier keine staatlichen HW-Glühlampen mehr aufgestellt sind. Auch einige größere Modelle, wie das R1-Glühsystem oder der Rückenstrahler sind zu empfehlen, um die Dunkelheit fern zu halten. Von nun an geht es in vollständiger Finsternis weiter, bis man das schwache Leuchten der ersten Säule in der Ferne erkennen kann. Bis dahin ist es aber noch ein beträchtliches Stück Weg. Insgesamt erstreckt sich dieser Teil der Reise über 144 Kilometer.
Rastplätze von früheren Expeditionen und Handelskarawannen sind an jedem fünzigsten Kilometer zu finden. Man beachte beim Zubettgehen, sich aneinander festzubinden, um nicht im Schlaf in die Tiefe zu stürzen.
Gefahren sind zu diesem Zeitpunkt eher selten zu erwarten. Der ständig drohende Sturz sollte hierbei noch die größte Sorge darstellen. Ansonsten kann es zu Angriffen von Flederwesen kommen, die in den meisten ausläufigeren Teilen der Tiefenkluft beheimatet sind. Avisiert ist hier eine Rücken-An-Rücken-Kampftechnik, um Stürze zu vermeiden.

Von Musik oder lauten Geräusche ist vollends abzuraten. Zum einen, damit die vorher genannten Flederwesen nicht angelockt werden, zum anderen, weil die Deckenstruktur zu großen Teilen instabil ist und Stücke davon schon bei geringer Erschütterung auf Reisende fallen können. Aus dem selben Grund sollte auch ständig eine Person den Blick auf den Boden gerichtet haben, um Löcher auf dem Pfad frühzeitig ankündigen zu können. Diese sind durch vormals gefallene Gesteinsbrocken entstanden und vermehren sich mit jedem Durchgang der Serpentinen. Pläne über Reparaturarbeiten und Strebenverstärkungen liegen bereits in Istanbul vor, müssen aber noch gerichtlich zugelassen werden.
Die letzte Bemerkung erlaube ich mir über die dortige Dunkelheit. Jedem, der auf dem Serpentinenweg wandert, ist angeraten, nicht zu lange und zu häufig in die Finsternis zu starren. Ansonsten kommt es unweigerlich zum Helmeischen Hallunkel-Phänomen. Zuerst beginnt man kleine, blitzende Lichter in der Ferne zu sehen. Sie ähneln dem Schein von Lampen, doch ich kann versichern, so weit draußen existieren nur leere Luft und Abgründe. Kurz darauf tauchen dunkelschwarze Schemen aus den Augenwinkeln, die aber sofort wieder verschwinden, sollte man versuchen, sie genauer zu betrachten. Zum Schluss kann es passieren, dass der dorthin Starrende komplett seinem normalen Geisteszustand engleitet und sich gefährlich nahe der Tiefe annähert, was meist einen Sturz zur Folge hat. Das ist leider eine sehr häufige Todesursache auf diesem Weg, weshalb der leitende Führer mit Nachdruck dafür sorgen sollte, dass alle Wanderer den Blick stets entweder zu Boden oder auf eine andere Person vor ihnen richten. Die Person, welche die Spitze der so entstandenen Schlange bildet und nach Löchern Ausschau hält, sollte alle paar Stunden ausgetauscht werden.

Nach ungefähr drei Tagen werden die Umrisse und das sanfte Schimmern der ersten Säule am Horizont erkennbar sein.
Die Kleinsten haben gerade mal einen Durchmesser von wenigen Metern, während die größeren Exemplare bis zu einem halben Kilometer breit sind. Bei einigen sind bereits Teile abgebrochen, andere weisen Risse und Krater an den Seiten auf, an denen vermutlich Gesteinsbrocken entlang geschrammt sind. Die Spitzen sowie die untersten Punkte aller Säulen verlieren sich während dieses Abschnittes noch komplett in der Dunkelheit.
Das Erste, was dem enthusiastischen Betrachter auffallen wird, sind die Schriftzeichen und Symbole, die in jede einzelne Säule eingegraben sind. Jene sind auch der Ursprung des unheimlichen Leuchtens, das diesen Abschnitt der Serpentinen erfüllt. Jedes einzelne Zeichen schimmert nur schwach, doch zusammen erhellen sie die Finsternis und decken so die Umrisse der Umgebung auf. An engeren Passagen kann man sogar ganz schwach die Höhlenwände ausmachen. Der Grund des Fluoreszieren liegt in der eingeritzten Farbe. Wie Kohlenstofffunde bestätigen, wurden die Symbole vor Äonen per Hand in die Felsen geritzt und mit einer besonderen Legierung bestrichen, die jede Art von Lichtstrahl zu hohem Prozentsatz reflektiert. Aus einem rein wissenschaftlichen Aspekt heraus betrachtet, spiegelt sich also nur der Schein der eigenen Lampen darin und wird zurückgeworfen, wodurch der Begriff Fluoreszenz nicht korrekt ist, aber in den ersten Aufzeichnungen so dargestellt wurde. Sollten alle Lichtquellen erlöschen, würde auch das Leuchten der Säulen aufhören. Dies sei aber, mit Blick auf die vorher genannten Gründe, zu vermeiden.

Eine Warnung gleich noch vorweg. Sollte man, sobald die Drei-Tages-Marke erreicht worden ist, noch keine der Säulen sehen, so ist äußerste Vorsicht geboten. Kann man nach maximal zwanzig Kilometern Fußmarsch noch immer kein zurückgeworfenes Lampenlicht erkennen, ist eine sofortige Umkehr anzuraten. Was genau dazu führt, dass manchmal die Reflektion der Zeichen aussetzt, und welchen Regelungen dieses ominöse Ereignis folgt, ist noch unklar.

Man nehme an, den geneigten Explorent umfließt nun angenehmes Zwielicht, dann kann er zu diesem Zeitpunkt bereits wieder einen leichten Anstieg des Pfades erkennen. Auch winden sich die Serpentinen in diesem Teil der Strecke besonders stark, wodurch erhöhte Vorsicht geboten ist. Wegen des anstrengenden Aufstiegs sollte die Gruppe alle halbe Stunde eine kurze Pause einlegen. Aus diesem Grund wurden teils breite Stufen in den Weg geschlagen, um Sitz-oder Liegmöglichkeiten zu bieten.
Trotz der hier herschenden Lichtverhältnisse ist ein weiteres Wort der Warnung angebracht. Obwohl dank der leuchtenden Schriftzeichen, die Gefahr des Hallunkel-Phänomens gebannt ist, bergen eben jene Symbole eine nicht zu unterschätzende Bedrohung. Auch hier ist, wie bei der Dunkelheit, eine geistige Verwirrtheit bei längerer Betrachtung zu bemerken, die sich bis zu ausgeprägten Wahnvorstellungen steigern kann. Betroffene berichten davon, dass sich die Zeichen verschieben, bewegen oder verschmelzen würden. Auf Nachfrage können etwaige Begleiter nichts davon berichten. Auch wird im Wahn oft von einem zugrundeliegenden Muster erzählt. Von einer Nachricht, die sich nur in gewissen Winkeln oder Verhältnissen erschließen würde. Jegliche Studien der Zeichen und ihrer Bedeutung ist jedoch bis dato erfolglos geblieben. Forscher glauben, es handelt sich hierbei um eine längst ausgestorbene Bildsprache, die aber in keiner bestehenden oder auch vergangenen Volksgruppe erwähnt wird. Einig ist man sich hingegen in der Ansicht, dass die verschieden zusammengewürfelten Zeichen einen memetischen Effekt besitzen müssen, welcher die Sinne des Beobachters angreift. Hierzu sind derzeit weitere Studien im Gange.

Die Reise nach oben und durch die Schlucht der Säulen dauert zwei weitere Tage und endet am oberen Kantenabschnitt. Der Name entstand aus der Tatsache, dass bei dieser Höhe die steinernen Zylinder plötzlich abflachen. Dieser Punkt ist bei allen Säulen ungefähr parallel und legt zusammen mit der gleichmässig abgetragenene Oberfläche nahe, dass diese von Menschenhand so hergerichtet wurden.
In diesem Gebiet enden die Serpentinen nun auch an einer der größten bekannten Säulen der gesamten Schlucht. Diese ist auf den Namen „Sciente“ getauft, was soviel wie „Wissende“ bedeutet. Sie hat in der vollen Breite einen Durchmesser von eineinhalb Kilometern. Nicht die Erstentdecker haben ihr diesen Namen gegeben, sondern die Einheimischen, die auf ihr leben.
In der Tat ist die wissende Säule bewohnt. Wie so oft auf dem Erdenball, schafft es der Mensch, sich, auch in den noch so unwirtlichsten Gegenden, erfolgreich nieder zu lassen.
Ein Stamm von Unterweltlern lebt hier seit knapp drei Generationen. Gegenüber Fremden sind sie äußerst zurückhaltend, unter Umständen sogar abweisend und distanzierend.
Die Bewohner führen ein einfaches Leben. Sie hausen in quaderförmigen Kalksteinbauten, deren Ursprung und Bau schon einige hundert Jahre früher zurückdatiert wird. Komfort gibt es nur rudimentär, die Häuser besitzen keine Fenster oder Türen und es existiert kein Anschluss für fließendes Wasser oder Strom. Die Menschen hier bewohnen die Häuser in Gruppenstrukturen. Es wird eine Patchworkfamilie aus nicht verwandten Personen gebildet, die je nach Bedarf miteinander kochen, arbeiten oder spielen.
Neben der großen Hauptsäule sind ein paar weitere, kleinere Säulen ebenfalls bewohnt. Auf diesen stehen Häuser einzeln oder in Ansammlungen von drei oder sieben. Alle Wohnsäulen sind miteinander über hölzerne und grob reparierte Brücken verbunden.
Das Hauptnahrungsmittel von „Sciente“ ist Bleichflechte. Ballen davon werden systematisch am Rand der Säulen angebaut. Jeder Hausstand besitzt seinen eigenen Flecken, von dem er ernten darf. Die Pflanzen wachsen schnell und wuchern wild, sodass man nicht viel tun muss, um jeden Tag eine ausreichende, wenn auch sehr eintönige Mahlzeit zu bekommen. Der Geschmack der Flechten ist betont nichtssagend. Ohne Sonnenlicht und Regen können sich keine Aromen bilden. Trotzdem wirken sie durch die Mineralien, die sie aus dem Gestein ziehen, sehr belebend und fördern die Gesundheit. Nebst der pflanzlichen Ernährung jagen die Menschen hier die Fauna der umliegenden Säulen und Höhlenlandschaft. Durch die allgegenwärtigen Lichtquellen hat sich eine breitere Artenvielfalt entwickelt als normalerweise üblich. Die fleischliche Hauptalternative besteht natürlich aus den Flederwesen, welche aber bekannterweise einen sehr fauligen Nachgeschmack aufweisen und deshalb nur in äußersten Notfällen verzehrt werden.
Viel interesannter dagegen ist die Frage nach den Wasserreserven. Hierzu wurde in die Mitte der Hauptsäule ein zehn Meter breites Loch in den Felsen geschlagen. An den Rändern führen schmale Stufen bis hinunter zum Boden.
In diese Zisterne tropft es alle paar Sekunden. Das Wasser stammt von der Decke, welche aber in diesem Teil der Höhle noch immer im Dunkeln verborgen liegt. Man vermutet eine ganze Bandbreite an Tropfsteinen, welche den Wasserhaushalt für die ganze Stadt liefern und durch Grundwasser von der Oberfläche, und somit im Endeffekt Regen, gespeist werden.
Das Wasser an sich ist äußerst kalkhaltig und deswegen muss alle Weile das Becken komplett von Ablagerungen entfernt werden. Diese Tatsache und der Punkt, dass die ganze Stadt mit diesem Wasser versorgt wird, fördert die Vermehrung diverser Krankheitserregern, von denen manche andersorts schon seit Jahrzehnten ausgerottet sind. Ich advisiere die Mitnahme von sauberem Trinkwasser in unauffälligen Behältern. Gleichzeitig sollte man jedes Angebot des Wassergenusses seitens der Einheimischen höflich, aber bestimmt ablehnen.

Die Sippschaft der Säule hat drei gesonderte Häuser für Händler reserviert. In denen dürfen und müssen alle Fremden sich während der Schlafenszeit aufhalten.
Das Geschäft mit den Bewohnern ist lukrativ, sind sie, wegen der benötigten Leuchtmittel aller Art, auf den weltlichen Handel angewiesen. Der bisher zurückgelegte Weg ist zwar nicht ungefährlich, doch kann er sich lohnen, wenn man an seltenen Edelsteinen oder Kupfer interessiert ist. Es sind die beiden Hauptexponate der Kommune und in beiden Fällen unsagbar billig zu erhalten. Im Gegenzug sind bei den Einheimischen die schon erwähnten Lichtquellen begehrt und bevorzugt, egal, ob nun elektrisch betriebene Lampen, Öllampen oder Gaslampen. Auch werden Vorräte von der Oberfläche gerne gehandelt, darunter Fleisch von Schwein oder Kuh, frisches Gemüse oder eingelegtes Obst. Holz ist ebenfalls ein nützliches Handelsgut. Zwar bestehen die meisten Einrichtungen aus Stein, doch sollte einmal etwas kaputtgehene oder abbrechen, wird es meist durch Holz zersetzt. Dieses verrottet in der kalten Feuchtigkeit allerdings sehr schnell und die Bewohner der Säule brauchen deshalb ständig Nachschub.
Es ist zu beachten, dass hier unten nur getauscht wird. Jegliches Oberflächengeld besitzt wenig bis gar keinen Wert.

An allen Straßen,Ecken und Dächern der Stadt sind Lampen, Fackeln oder Glühbirnen angebracht. Nur durch sie wird die gesamte Umgebung der großen Säule in einen einzigen, atemraubenden Lichtschwall gehüllt.
Einige Bewohner sind extra dafür eingeteilt, alles, was Licht macht, am Brennen zu halten. Jene Zivilisten haben einen besonderen Status unter ihresgleichen. Sie tragen eine große Verantwortung und eine Vernachlässigung dieser wichtigen Arbeit kann schwere soziale Folgen bis hin zu Verbannung oder Gefangenschaft nach sich ziehen. In weniger renomierten Forscherkreisen hält sich die Behauptung, man werfe hier die Verbrecher einfach über den Rand der Säule und schaue ihnen nach, bis sie in der Dunkelheit verschwinden und ihr Schrei von der Finsternis verschluckt wird. Doch das sind meiner Meinung nach nur Gerüchte.

Was jedoch um einiges realer ist, sind ihre steinernen Gefängnisse. Tief an den hinteren Seiten der Säule sind sie in den Fels geschlagen. Eine lange Wendeltreppe führt hinunter bis an eine freie Öffnung im Stein. Dort drin zieht sich eine weitere Treppe nach unten, bis an einen Raum mit Türen. Solche Türen, die man per Mechanismus öffnen und schließen muss, da sie aus Fels bestehen und keine drei Männer sie bewegen könnten. Dort wird jeder hingebracht, der sich entweder nicht an die Regeln hält oder sich ungebürlich aufführt. Und dort bleibt man dann eine Weile. Rechtsprechung hier unten ist den Einheimischen vorbehalten, da kann man noch so viel flehen, sie schließen die Türen und du sitzt in vollkommener Dunkelheit. Nicht die Hand vor Augen kannst du erkennen und schon wird dir schmerzlich bewusst, wie sehr du das Licht brauchst. Und du sehnst dich zurück an die Oberfläche, um dich zu ergötzen an den Zeichen und ihrer Pracht und halb verrückt wirst du dabei. Aber sie lassen dich nicht raus und du schmorst stundenlang. Das reicht meist auch. Danach sind die Meisten geläutert und bleiben zahm.

Aus diesem Grund sind die Bewohner auch äußerst konform in ihrem Denken. Jeder hat einen Platz in der Gesellschaft und eine Aufgabe. Man betet und arbeitet. Aber nicht zu Gott beten sie, sondern zu den Zeichen um sie herum. Murmeln leise die vergessene Sprache der leuchtenden Schrift. Einmal fragte ich den obersten Leuchter nach dem Grund ihres Daseins und warum man nicht längst aus diesen Höhlen floh, so viel könnten die Edelsteine doch auch nicht wert sein.
Er antwortete mir, dass die Zeichen strahlen müssten. Sie müssten funkeln im Schein des Lichts, zumindest ein Teil von ihnen. Denn sollten je alle auf einmal verlöschen, so würde das Unglück über die Tiefenkluft und die restliche Welt hereinbrechen. Und dann ging er mit mir an den Rand der Säule und zeigte in die Dunkelheit, in die entgegengesetzte Richtung des Pfades. Dort, wo kein Weg mehr weiter führte und sich die Säulen in der Finsterniss verloren.
Von dort wird er kommen, sollten die Zeichen verlöschen, sagte er. Von dort kommt er zu uns, denn hinter dem Dunkel liegt die Hölle und dort wartet er. Nur das Licht hält ihn ab.
Ich habe nicht mehr weiter gefragt, sondern bin still zurückgegangen.

Das Leben hier ist einfach. Es gibt keine Überraschungen. Stattdessen erwartet einen der immer gleiche Trott. Aufstehen, arbeiten, beten und sich am Abends in kleiner Runde leise unterhalten. Das Echo hier wirft alle Geräusche wieder zu einem zurück. Wenn man wollte, könnte man mit sich selbst ins Gespräch kommen. Man vermeidet hier alles Laute. Es wird geschlichen, geflüstert und gehorcht. Gehorcht in die Ferne auf das Schlagen von Flügeln oder das Wirbeln des Windes. Und jeden Abend ziehen die Menschen erleichtert in die Betten, weil der Wind abermals nicht gekommen ist. Man fürchtet den Tag, an dem hier ein laues Lüftchen wandert.

Ich advisiere nicht mehr als drei Tage Aufenhalt und diese Länge auch nur bei absoluter Notwendigkeit. Das monotone Leben und die Geräuschlosigkeit, zusammen mit der Dunkelheit und dem allgegenwärtigen Leuchten der Zeichen um einen herum, können den Geist arg in Bedrängnis bringen und einen an der Realität zweifeln lassen. Viel eher sollte man binnen eines Tages wieder den Heimweg antreten. Eine Nacht kann man hier verbringen und sollte anschließend die Träger zum Aufbruch drängen.

Was man aber auf keinen Fall wagen sollte, ist, in die Dunkelheit hinter der Stadt zu spähen. Auch sollte niemand Versuche unternehmen, mit Leitern oder Brücken sich einen Weg über die hinteren Säulen zu bahnen. Einzig Finsternis und der brausende Wind erwartet einen dort.

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