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Echo

Herr L trifft auf Frau U
„Schönen, guten Morgen“, sagt Frau U.
„Einen guten Morgen zurück“, erwidert Herr M.
„Wie geht es ihrer Frau?“
„Sehr gut, sie kann sich nicht beklagen, haha. Und ihrem Herrn Ehemann?“
„Er ist ein wenig kränklich, weil er das kalte Wetter nicht so verträgt und deswegen geht es ihm entsprechend.“
„Der Herbst wird ja auch immer stürmischer, um diese Jahreszeit.“
„Wem sagen sie das. Übrigens, haben sie schon das Neueste gehört?“
„Ach was, nein, habe ich nicht, erzählen Sie.“
„Die Schwester meines Schwagers ist bei so einem Neureichen eingezogen. Und die kennen sich erst seit drei Monaten.“
„Was sie nicht sagen.“
„Und über ein gemeinsames Kind denken die beiden auch schon nach. Also, ich will ja jetzt nicht als prüde daherkommen, aber so etwas hätten es bei uns damals nicht gegeben. Meiner Meinung nach sollten man solche Dinge langsam angehen lassen, finden sie nicht auch, Herr L?“
„Ja, aber absolut, ganz ohne Zweifel. Aber die Zeiten ändern sich eben. Die Jugend von heute benimmt sich mittlerweile ganz anders wie früher.“
„Aber das ist ja auch ein Thema, über das man endlos plaudern könnte.“
„Ich muss aber dann mal wieder, Frau U. Ein sehr angenehmes Gespräch, wenn ich das so sagen darf,“
„Ja sehr nett. Auf Wiedersehen, Herr L.“

Politiker K trifft auf Schauspielerin M.
„Guten Abend, meine Dame“, sagt Politiker K.
„Erfreut, sie hier anzutreffen“, erwidert Schauspielerin M. „Was verschafft mir die Ehre?“
„Bei so einem Abend muss man doch dabei gewesen sein, nicht wahr?“
„Ganz ihrer Meinung. So ein Ereignis darf man nicht verpassen. Das wird in naher Zukunft sicherlich noch äußerst geschichtsträchtig.
„Wenn sie das sagen. Wir können bloß froh sein, dass das Wetter mitspielt.“
„Ja, aber man weiß ja nie, ob es nicht noch umschlägt. Um diese Jahreszeit weiß man das nie so recht.“
„Wie geht es eigentlich ihrer Frau? Ich habe gehört, sie hatte sich letztens unpässlich gefühlt?“
„Eine leichte Grippe, mehr nicht. Nach einem Kurzurlaub in den Anden, zur Kur, hat sie sich schnell erholt.“
„Das freut mich zu hören.“
„Und ihre Familie, wenn man fragen darf?“
„Wie sie sicherlich wissen, arbeitet mein Mann Vollzeit und die Kinder sind allesamt im Internat. Aus denen soll schließlich mal etwas werden.“
„Da haben sie vollkommen recht. Eine frühe Förderung ist das A und O für eine erfolgreiche Kindeserziehung.“
„Aber verzeihen sie, Politiker K, ich sehe, meine Freundin D ist gerade angekommen. Wenn sie mich entschuldigen würden.“
„Aber selbstverständlich, gar kein Problem. Es war eine sehr angenehme Unterredung, Schauspielerin M.“

Hippie G trifft auf Punkerin E.
„Hey, guten Morgen“, sagt Punkerin E.
„Ebenfalls“, erwidert Hippie G.
„Was läuft so?
„Wie immer halt. Man versucht sich vom allgemeinen Gesellschaftsbild abzuheben. Und bei dir?“
„Mehr oder weniger das selbe. Aber gegen die Konzerne mit ihren Marketingstrategien und Niedrigpreisen kommt man sowieso nicht an.“
„Meine Meinung“, sagt Hippie G. „Die Großkonzerne sind das Übel der Menschheit. Früher war das noch ganz anders. Da hat sich jeder auf den anderen verlassen können. Damals hat man noch aufeinander aufgepasst.“
„Erst letztens waren wir auf dieser Demo gegen Käfighaltung, da hat es derb zu schiffen angefangen. Hat mir voll die Jeans ruiniert.“
„April ist für mich mittlerweile ein fettes NoGo. Keine Konzerte mehr im April. Da wird jede Wiese zur riesigen Schlammgrube. Letztes Jahr hab ich mir da einen ganz fiesen Schnupfen eingefangen. Hab eine Woche zum auskurieren gebraucht.“
„Was man nicht alles macht, um den Planeten zu retten.“
„Kannst du laut sagen. Letztens habe ich mich an einen Baum im Stadtpark gekettet, der zum Fällen freigegeben worden war. Fast hätten sie mich mit umgeschnitten.“
„Widerliche Konformistenschweine.“
„Und die Jugend von heute stecken sie in die Gedankenfabrik namens Schule, die ihnen jeden freien Willen raubt.“
„Stimmt alles, aber ich muss ja jetzt auch weiter. Meine Schicht im Supermarkt fängt in ner halben Stunden an.“
„Kein Problem, ich muss auch noch zu meiner Gitarrenprobe. So ein Instrument lernt sich schließlich nicht von allein.“
„Auf bald, Hippie G.“
„Man sieht sich, Punkerin E.“

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