old-books-436498_1920

Es war Zweiundneunzig, als die städtische Bücherei von Eschelfing geschlossen wurde.
Am Fünften Zehnten Zweitausendunddrei, um halb vier nachmittags, wurde der zwölfjährigen Konrad B. als vermisst gemeldet.
Zweitausendundelf erschien ein kleiner Randartikel in der allgemeinen Tageszeitung, der den erschreckenden Zusammenhang dieser beiden Ereignisse darlegte.
Zwölfeinhalb Zeilen hatte man verwenden, um dem treuen Leser, der es bis auf Seite neun geschafft hatte, vom Fund einer mumifizierten Kinderleiche in einer baufälligen Ruine im Landkreis Parndorf zu berichten. …WEITERLESEN

chicago-343941_1920

Der Smog schwebt als dichter Teppich über der Stadt und wabert träge um die Wolkenkratzer. Einer Lawine gleich schiebt er sich zwischen den Häusern hindurch, drückt sich vorbei an Türspalten und Fensterritzen. Die allumfassende Lautlosigkeit erstickt jedes Geräusch der Millionenmetropole im Keim. …WEITERLESEN

Portal

„Ignaz, pass auf, dass du nichts verschüttest. Jeder einzelne Tropfen ist mehr wert als dein mickriges Leben“, schimpfte Professor Petrowitsch. Der anerkannte Forscher auf dem Gebiet der anomalischen Materie, auch Anomaterie genannt, durchwühlte aufgeregt die Papiere auf dem Schreibtisch, während sein Gehilfe die schweren Fässer voll Treibflüssigkeit schleppte. Dabei träumte er bereits jetzt lauthals von seinem Erfolg:
„Stell dir vor Ignaz, ich auf dem Podium mit dem Nobel in der Hand. Die ganzen Forscher würden alle schön klatschen und ich stünde da und wäre sehr bewegt und wüsste gar nicht, was ich sagen soll. Jedes Arschloch, das mich bisher ignoriert hat, wird mich auf Knien anbetteln, mit mir arbeiten zu dürfen. Ja, sie werden mir die Füße küssen und ich werde gnädig sein und sagen: ‚Ja, von mir aus, warum nicht, jeder hat mal eine Chance verdient.’“ …WEITERLESEN

architecture-1766225_1920

Ich starb an einem Sonntagnachmittag und wachte am Montagmorgen in der Hölle auf. Zumindest erklärte es mir der Fährmann so.
Die Seele bräuchte immer ein klein wenig, um vollends von der Erde in die Unterwelt zu gelangen und da verginge so schon mal ein Tag oder zwei.
Außerdem stimme das mit der Hölle sowieso nicht, denn das wäre ja christlich und da läge ich eh total daneben. …WEITERLESEN

keyboard-instrument-436488_1920

Am Sonntag, dem Tag des Herrn, traf der Schuhmacher Mikolaj Wieczorek den Gastwirt Przemyslaw Dabrowski zur Morgenstund vor der Wirtschaft.
„Grüß dich, Mikolaj“, rief der Gastwirt. Der Angesprochene erwiderte den Gruß und sie gaben sich die Hand.
Wieczorek hatte seinen guten Sonntagsanzug an, denn er hatte vor, gleich die Kirche zu besuchen, schließlich war ja heut Sonntagsmesse. Zu seinem Erstaunen stand sein guter Freund noch in Schmuddelhemd und Hose vor der Tür. …WEITERLESEN

police-2122394_1920

Der Jugoslawe Kalle Marić sitzt in der Verhörzelle und starrt an die einseitig verspiegelte Glasscheibe. Sein Kopf ist nach unten geneigt und er versucht verzweifelt, mit seinen Lippen an die herausschauende Zigarette in seiner Hemdtasche zu kommen. …WEITERLESEN

Ein Himmel und Gras erwarteten mich. In gemalter Form.
An die Decke war ein Firmament gezeichnet und erstreckte sich samt Wolken, Vögeln und Sonne bis zum Horizont. Darunter stand das Gras hoch auf den Wiesen. Ich sah die verschiedensten Tiere weiden. Schafe, Ziegen, Kühe und daneben auch Fleischfresser, wie Löwe, Wolf und Lux. Sie standen friedlich umeinander herum, fraßen vom Grün oder starrten in die Luft. Dazwischen wuchsen Blumen, Sträucher und Bäume. Ich sah Palmen neben Birken stehen, Mangos neben Äpfeln wachsen und Rosen neben Orchideen sprießen. Alles war im Einklang miteinander und nichts machte den Eindruck, als wäre es am falschen Ort. …WEITERLESEN

middle-ages-2010659_1920

Der schwertschwingende Greis sieht sich einer Bestie gegenüber.
Hinter ihm das Dorf, das es zu retten gilt, vor ihm das Übel, das zu erschlagen nun seine Aufgabe ist.
Die Männer, die Soldaten, waren alle ausgeritten, um dem König beizuwohnen. Nun ist er, als letzte Bastion, dazu verdammt, das Untier zu besiegen. …WEITERLESEN

man-1609624_1920

Herr P. trifft Herrn G. im Sommer.
„Ach, ist es heute wieder heiß, nicht wahr?“ sagt Herr P und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
„Äußerst heiß ist es heute“, erwidert Herr G., „und ich glaube sogar, morgen wird es noch heißer.“ …WEITERLESEN

Der Biologe hielt ihn zurück, deutete in die Krone des Baumes und raunte:
„Da. Sehen und staunen Sie.“
Der Pater blickte nach oben, suchte zwischen den Blättern, fand aber nichts:
„Ja,wo denn?“
More →

< 1 2 3 4 5 >»