Der Damenschuh, der an den eisernen Sprossen der Lautsprecheranlage hängt, irritiert mich. Alt ist er; das Wetter hat die Farbe ausgeblichen. So alt kann er jedoch nicht sein, denn meine letzte Zugfahrt in diese Richtung war vor knapp einer Woche.
In der Zwischenzeit hat sich hier wohl eine Geschichte abgespielt, aus der ein verlassener Schuh resultierte. Welche genauen Handlungen wohl zu dem ominösen Aufenthalt dieses Schuhs geführt haben, kann ich nur noch spekulieren.
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Ich sitze auf dem Bett, die Decke halb über meine Füße geschlagen, den Laptop auf dem Schoß. Mir schräg gegenüber, in meinem rotierenden Computersessel, sitzt Paolo und dreht sich selbst langsam hin und her, während er an die Decke starrt.
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Es waren einmal ein junger Fuchs, eine Elsterndame und ein alter Hase, die beisammen unter einem großen Kirschbaum saßen und beratschlagten, was denn nun der Sinn des Lebens sei.
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Einst stand ein politischer Mann vor einem Podest und redete vor einer großen Menschenmenge. Dabei gestikulierte er wild und während er sprach, flog ihm der Speichel aus dem Mund.
Seine Zuhörer verspotteten ihn deswegen, lachten und bezeichneten ihn als irr.
Nur einer der Männer in der Gruppe verhielt sich still und nickte zu dem Gesagten.
Da fragten ihn die Anderen, teils belustigt, warum er dem Verrückten zuhörte.
Der Mann antwortete ihnen:
„Mag sein, dass er spricht wie ein Verrückter, doch wenigstens glaubt er an den Unsinn, den er von sich gibt.“

Der Garten sah im Morgenreif,
aus als hätt ihn wer begossen,
und ich tat ganz unverdrossen,
einen ersten Schritt hinein.
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Die Tage vergingen. Schon bald stellte sich der normale Rhythmus an Bord ein. Die Arbeit war in Schichten unterteilt, jeder hatte fest eingeteilte Zeiten, um zu schlafen, zu arbeiten und ein oder zwei Stunden, um sich gehen zu lassen. Sie hatten genug Leute an Bord, damit nicht jeder allzeit in den Wanten hängen und die Takelage bedienen musste. Den Rest des übrigen Tages beschäftigte man sich mit kleineren Bootsarbeiten, man flickte zerrissene Stellen am Segel, besserte Seile aus, schrubbte das Deck oder zimmerte neue Bretter an die Kabinen und die Wände des Schiffes. Und wenn es dann nichts mehr zu tun gab, lag man herum, spielte Karten oder blickte auf das Wolkenmeer hinaus.

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Laute Rufe und Gepolter machten sich auf der Kantalup breit. Es war wieder Zeit, aufzubrechen. Eine ganze Woche lagen sie nun hier bereits vor Anker und Kapitän Schlitzer brannte schon wieder darauf, die Wolken unsicher zu machen. Matrosen huschten hin und her, trafen letzte Vorbereitungen, prüften die Takelage, zurrten Seile zum dritten Mal fest und trugen Kisten umher. Die Planke, die in den letzten Tagen in einige Mitleidenschaft geraten war, wurde an Bord gezogen. Eine fröhliche Stimmung machte sich breit. Es war hin und wieder angenehm, harten Boden unter den Füßen zu spüren, aber jeder wusste das Wanken des Schiffes im Wind zu schätzen und zu genießen. Es gab nichts Freieres, als ohne Grenzen zu fliegen, wohin man wollte, nur getrieben vom Wind und den Gezeiten.

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Eine Minute später kam Strich wieder aus der Gasse, eine fröhliche Melodie pfeifend, mit prächtigen Lederstiefeln an den eigenen Füßen. Was des einen Verlust, war des anderen Gewinn. Der Leitspruch eines jeden Piraten.

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Gleißendes Sonnenlicht stahl sich zwischen seinen geschlossenen Augenlidern hindurch. Zum Schutz hob er die Hand vors Gesicht, bis er wieder etwas erkennen konnte. Eine schmale Gasse, zu beiden Seiten von Holzverschlägen gesäumt, die mal mehr und mal weniger stabil aussahen. Mit einem Stöhnen wandte sich der Decksmann nach rechts in Richtung Kai. Als Erstes stand eine neue Ladung Seile auf der Liste. Er wettete, der erste Offizier, dieser Hundling, lag gerade einer Frau in den Armen oder besoff sich weiter ohne Halten. Aber den guten alten Strich konnte man ja einfach rumkommandieren, der machte schon, was man ihm sagte. Die sollten doch froh sein, dass sie jemanden wie ihn hatten. Jemand, der ohne Murren buckelte und arbeitete, während jeder Andere faul auf der Haut lag.

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Das fahle Licht das durch die morschen Fensterläden ins Innere der schmierigen Kaschemme schien, beleuchtete die Insassen nur spärlich. Gauner und Ganoven. Allesamt saßen auf die gleiche Art, seltsam nach unten gebeugt um möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen, teils zusammengedrängt im Zwielicht, die meisten von ihnen einen Krug voll Bier oder ein anderes Gefäß mit undefinierbarem Inhalt vor sich. Ein jeder belauerte den anderen lustlos, keiner wollte zu dieser frühen Mittagsstunde bereits Ärger anziehen. Es stand wie ein ungeschriebenes Gesetz im Raum, ob Straßendieb, Matrose oder Halsabschneider, niemand wollte die zerbrechliche Ruhe stören. Einzeln tuschelte man kaum vernehmlich miteinander hinter gehobener Hand, ansonsten war es im Raum stiller als auf einem Friedhof, nur unterbrochen vom Quietschen des labbrigen alten Tuches das der Wirt benutzte um seine Gläser sauber zu machen. Der Besitzer dieser Spelunke, ein dickbäuchiger, schnauzbärtiger Mann der keinen Sinn für Humor, dafür aber reichlich dick bepackte Arme hatte, lies immer mal wieder seinen wachsamen Blick über die Bande an Spießbrüdern gleiten, während er weiter die trüben Gläser putzte. Allein seine Anwesenheit lies den meisten jede Lust auf Krawall entgehen. Und für hartnäckige Kollegen hatte er immer noch seine gute alte Flinte unter dem Tresen liegen.

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