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Ein Mann brachte einst eine magische Wunderlampe in seinen Besitz. Als er diese rieb, kroch daraus ein Flaschengeist hervor. Der Geist bedankt sich bei seinem Retter und versprach dem Mann drei Wünsche. Er betonte, dass er sich alles wünschen könne und nichts unmöglich sei. Alles, was er sich vorstellen könne, solle er bekommen. …WEITERLESEN

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Nur einen einzigen Satz.

Dies sage ich mir jeden Tag wieder. Es ist mein Gebet an den großen Gott der Kunst. Den Gott ohne Namen. Den Gott, den Künstler gleichzeitig verachten und anbeten. Er als Gott entscheidet, wer an diesem Tage etwas niederschreibt oder nicht. Und jeden Tag hoffe ich erneut, dass ich unter den Auserwählten bin.
Aber warum denn nur einen einzigen Satz, mag sich mancher fragen? Ist das nicht zu wenig? Warum das Papier hervorkramen, den Laptop hochfahren oder den Stift zücken? Für einen einzigen Satz ist das doch verschwendete Mühe. Da kann man doch gleich zuklappen, wegstecken und zerknüllen. Bevor ich nur einen Satz schreibe, schreibe ich lieber gar nichts.
Und das ist der Fehler. Zu denken, ein Satz wäre nicht wichtig. Ein Satz wäre zu vernachlässigen.
Jeder, der das denkt, hat noch nie über die unglaubliche Bedeutsamkeit eines einzigen Satzes nachgedacht.
„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit.“
„Ich bin ein Berliner.“
„Ab 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen.“
„Ich habe einen Traum.“
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“
Wer nun behauptet, diese Sätze hätten kein Gewicht gehabt, ja keinen Tumult oder Unruhen ausgelöst, keine Panik, Freude oder Ekstase erschaffen, niemanden betroffen, berührt und bewegt, der mag sich wohl weiter Unglauben vorgaukeln.
Alle anderen haben hoffentlich verstanden, welche Kraft ein einziger Satz mit sich bringt, ja welche Massen man mit ihm bewegen, wie viel Wissen man durch ihn vermitteln und wie viele Gefühle man darin verbergen kann.
Und genau aus diesem Grund nehme ich mir vor, wenn auch sonst nichts, zumindest einen Satz am Tage niederzuschreiben. Weniger aus Hoffnung, dass ich irgendwann den einen wirklichen wichtigen finde, sondern dass ich, angespornt, noch einen aufs Papier bringe. Anschließend einen weiteren niederschreibe, um danach noch einen folgen zu lassen, nur um mich irgendwann erschöpft zurückzulehnen und auf die voll beschriebene Seite blicken zu können. Und wer weiß. Vielleicht befindet sich irgendwo dazwischen auch ein Satz mit etwas Gewicht.

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„Wie viel Meta ist zu viel Meta?“, frage ich und blicke von meinem Laptop auf.
Der Fernseher antwortet mir nicht. Kann er auch gar nicht. Er ist schließlich aus. Sonst könnte ich nämlich gar nicht schreiben. Das hält mich aber trotzdem nicht davon ab, mich mit ihm zu unterhalten. …WEITERLESEN

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Der alte Herr trägt bei strahlendem Sonnenschein den Regenschirm stolz über dem Haupt. Er flaniert auf den Feldweg, zwischen den Bäumen hindurch und erfreut sich an den Blumen, Gräsern und der Natur an sich. Die Vögel zwitschern verheißungsvoll den Sommertag in die Weite hinaus und die Eichhörnchen balzen umeinander in den Blätterkronen. …WEITERLESEN

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Es war Zweiundneunzig, als die städtische Bücherei von Eschelfing geschlossen wurde.
Am Fünften Zehnten Zweitausendunddrei, um halb vier nachmittags, wurde der zwölfjährigen Konrad B. als vermisst gemeldet.
Zweitausendundelf erschien ein kleiner Randartikel in der allgemeinen Tageszeitung, der den erschreckenden Zusammenhang dieser beiden Ereignisse darlegte.
Zwölfeinhalb Zeilen hatte man verwenden, um dem treuen Leser, der es bis auf Seite neun geschafft hatte, vom Fund einer mumifizierten Kinderleiche in einer baufälligen Ruine im Landkreis Parndorf zu berichten. …WEITERLESEN

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Der Smog schwebt als dichter Teppich über der Stadt und wabert träge um die Wolkenkratzer. Einer Lawine gleich schiebt er sich zwischen den Häusern hindurch, drückt sich vorbei an Türspalten und Fensterritzen. Die allumfassende Lautlosigkeit erstickt jedes Geräusch der Millionenmetropole im Keim. …WEITERLESEN

Portal

„Ignaz, pass auf, dass du nichts verschüttest. Jeder einzelne Tropfen ist mehr wert als dein mickriges Leben“, schimpfte Professor Petrowitsch. Der anerkannte Forscher auf dem Gebiet der anomalischen Materie, auch Anomaterie genannt, durchwühlte aufgeregt die Papiere auf dem Schreibtisch, während sein Gehilfe die schweren Fässer voll Treibflüssigkeit schleppte. Dabei träumte er bereits jetzt lauthals von seinem Erfolg:
„Stell dir vor Ignaz, ich auf dem Podium mit dem Nobel in der Hand. Die ganzen Forscher würden alle schön klatschen und ich stünde da und wäre sehr bewegt und wüsste gar nicht, was ich sagen soll. Jedes Arschloch, das mich bisher ignoriert hat, wird mich auf Knien anbetteln, mit mir arbeiten zu dürfen. Ja, sie werden mir die Füße küssen und ich werde gnädig sein und sagen: ‚Ja, von mir aus, warum nicht, jeder hat mal eine Chance verdient.’“ …WEITERLESEN

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Ich starb an einem Sonntagnachmittag und wachte am Montagmorgen in der Hölle auf. Zumindest erklärte es mir der Fährmann so.
Die Seele bräuchte immer ein klein wenig, um vollends von der Erde in die Unterwelt zu gelangen und da verginge so schon mal ein Tag oder zwei.
Außerdem stimme das mit der Hölle sowieso nicht, denn das wäre ja christlich und da läge ich eh total daneben. …WEITERLESEN

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Am Sonntag, dem Tag des Herrn, traf der Schuhmacher Mikolaj Wieczorek den Gastwirt Przemyslaw Dabrowski zur Morgenstund vor der Wirtschaft.
„Grüß dich, Mikolaj“, rief der Gastwirt. Der Angesprochene erwiderte den Gruß und sie gaben sich die Hand.
Wieczorek hatte seinen guten Sonntagsanzug an, denn er hatte vor, gleich die Kirche zu besuchen, schließlich war ja heut Sonntagsmesse. Zu seinem Erstaunen stand sein guter Freund noch in Schmuddelhemd und Hose vor der Tür. …WEITERLESEN

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Der Jugoslawe Kalle Marić sitzt in der Verhörzelle und starrt an die einseitig verspiegelte Glasscheibe. Sein Kopf ist nach unten geneigt und er versucht verzweifelt, mit seinen Lippen an die herausschauende Zigarette in seiner Hemdtasche zu kommen. …WEITERLESEN

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